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Ronny Mergner

Wohnmobil-Ausbauspezialist und Elektronik-Experte

🗓️ Veröffentlicht am: 15. September 2023 | ⏱ Lesedauer: 4:50 min

RATGEBER

Ladebooster im Wohnmobil: Das Wichtigste in Kürze


Ladebooster versorgen die Bordbatterie im Wohnmobil, auch Bordakku, Zweit- oder Versorgungsbatterie genannt, effektiv mit Energie. Das hört sich gut an – doch wann benötigen Sie sie wirklich?

Ladebooster, was ist das?


Sie sind stolze Besitzerin oder stolzer Besitzer eines WohnmobilsCamper-Vans oder Campingbusses und reisen gern von einem Stellplatz zum nächsten?Unabhängig und spontan – das macht für viele das Reisen mit dem Wohnmobil oder Van aus. Wegen des allabendlichen Energieverbrauchs im Stehen durch zum Beispiel Fernsehen, Beleuchtung oder die Verwendung anderer Geräte wird die Bordbatterie entladen und dann durch kurze Fahrten nicht ausreichend aufgefüllt. Befinden Sie sich mit Ihrem Wohnmobil in der freien Natur, lädt die Batterie auch nicht über eine Steckdose. Reisen Sie eine längere Zeit auf diese Art und Weise, wird der Bordakku trotz täglichen Fahrens von Tag zu Tag stärker entladen, bis die Batterie eines Abends gar keine Energie mehr bereitstellt. Mithilfe eines Ladeboosters versorgen Sie Ihre Bordbatterie auch während kurzer Fahrten effektiv mit Energie.

Warum ist ein Ladebooster notwendig?


Die Stromversorgung eines Fahrzeugs läuft über die Lichtmaschine. Das Wohnmobil ist neben 
der Startbatterie auch mit einer Bordbatterie ausgestattet, die Geräte wie die Heizung oder Beleuchtung versorgt. Die Bordbatterie ist hinter der Startbatterie verbaut. Das Motormanagement in modernen Wohnmobilen bestimmt, wie viel elektrische Energie der Generator in der Lichtmaschine bei laufendem Motor an den Bordakku abgibt. Sie orientieren sich dabei am Ladezustand beider parallel geschalteter Batterien. Die Startbatterie wird beim Anlassen des Motors nur geringfügig entladen, sodass sie auch während kurzer Fahrten schnell wieder voll ist. In der Folge reduziert das Motormanagement den Ladestrom / die Ladespannung der Lichtmaschine, um den Kraftstoffverbrauch und somit die Emission zu verringern. Bis zur Zweitbatterie gelangt nicht ausreichend Strom / Spannung – davon „weiß“ die Lichtmaschine allerdings nichts.

Wie genau funktioniert ein Ladebooster?


Für die Starterbatterie hat die Reduzierung der Lichtmaschinenleistung keine negativen Auswirkungen. Bei Wohnmobilen gelangt so allerdings kein Strom mehr zur Bordbatterie. Sobald die Startbatterie also aufgefüllt ist, bleibt die Zweitbatterie auf der Strecke. Mit einem Ladebooster, auch Ladewandler oder Batterie-zu-Batterieladegerät genannt, wird auch die Versorgungsbatterie während der Fahrt, abhängig von der Fahrzeit, komplett aufgeladen.

Bei Ladewandlern handelt es sich um 12-Volt-Ladegeräte, die mit Batteriespannung statt einer Eingangsspannung von 230 Volt arbeiten. Der Ladebooster überwacht


beide Batterien
, sodass weder die Startbatterie entladen noch die Bordbatterie auf langen Strecken überladen wird. Deswegen werden Ladebooster nach der Startbatterie verbaut. Von hier pumpen sie die elektrische Energie weiter in die Bordbatterie. Der B2B-Lader stellt einen Verbraucher für die Lichtmaschine / das Motormanagement dar: So fließt bei laufendem Motor Strom, bis auch die Bordbatterie vollständig aufgefüllt ist. Zusätzlich regeln Ladebooster die Eingangsspannung auf die Ladespannung der Bordbatterie hoch: Das ermöglicht ein schnelleres und effizienteres, kennliniengeführtes Laden.

Vorteile eines Ladeboosters


Im Vergleich zu benzinbetriebenen Generatoren verfügen Ladebooster über gewisse Vorteile:

  • Sie laden Bordbatterien im Stand.
    Vor allem wenn die Solarzellen an Tagen oder in Jahreszeiten, an denen die Sonne nicht scheint, nicht ausreichend Energie produzieren, wird zusätzliche Energie zur Versorgung der Zweitbatterie im Stand benötigt.

  • Der Ladebooster liefert auch im Leerlauf oder bei niedrigem Tempo des Wohnmobils volle Ladeleistung.
    230-V-Generatoren, die dem Wohnmobil über den Außenanschluss Strom bereitstellen, laden die Aufbaubatterie oft nur mit geringen Strömen, da die im Fahrzeug verbaute Ladetechnik oft nur wenige Ampere liefert. Um etwa 50 A in die Batterien einzulagern, wäre der Dieselgenerator bei einem typisch verbauten Ladegerät circa drei Stunden in geräuschvollem Betrieb. Ein Ladebooster mit IUoU-Kennlinien pumpt diese 50 Ampere hingegen innerhalb einer Stunde Fahrt in die Bordbatterie. Ladestrom und -spannung sind weitestgehend unabhängig von der Motordrehzahl Ihres Fahrzeugs. Sie wechseln mit Ihrem Van oder Wohnmobil gern häufig den Standort und fahren dazwischen nur kurze Strecken? Dann ist ein kräftiger Ladebooster eine gute Alternative zum 230V Generator.

Ladebooster: Zwei Varianten


Ladebooster mit Konstantspannung


Diese Modelle arbeiten mit einer festen Spannung, die die Zweitbatterie konstant aufladen. Dies kann zu einer Überladung führen. Sie werden auch DC-DC-Wandler genannt. Es ist zwar möglich, einen zusätzlichen Schalter einzubauen, der den Ladewandler abschaltet. Die Benutzerin oder der Benutzer des Wohnmobils muss hier allerdings mitdenken.


Ladebooster mit IUoU-Ladeverfahren


Diese Variante schaltet nach Erreichen der Ladeschlussspannung in die Zwischenladephase um, in der die Batterie dann vollgeladen wird. Ist das erreicht, schaltet das Gerät auf Erhaltungsladung: Die Batterie wird voll gehalten und einer Selbstentladung entgegengewirkt. Es gibt keine Überladung.

Empfehlenswert für das Wohnmobil ist also der Ladebooster mit IUoU-Ladeverfahren. Mit dieser Variante ist die vorgeschriebene Aufladung und die Lebensdauer der Zweitbatterie sichergestellt. Sie schützt vor Überladung und sorgt bei langen Fahrten für eine zuverlässige Ladeerhaltung der Batterie. Durch die Überwachung von Start- und Bordbatterie ist die ausreichende Aufladung der Startbatterie immer gesichert. Ausschließlich der Energieüberschuss wird nach der Startbatterie an die Zweitbatterie weitergeleitet. Liegt also eine zu niedrige Spannung auf der Startbatterie, erhält die Zweitbatterie weniger oder gar keine Energie, bis die Starterbatterie wieder ein notwendiges Spannungsniveau erreicht hat.

So bauen Sie einen Ladebooster ein


Wie oben bereits erwähnt, wird der Ladebooster meist zwischen der Startbatterie und dem Bordakku eingebaut. Hier wird er mit dem Signal D+ der Lichtmaschine verbunden. Denken Sie daran: Über lange Kabel geht wertvolle Ladespannung verloren. Achten Sie deswegen auf ausreichend dicke und nicht zu lange Batteriekabel. Sie haben zwei linke Hände oder wenig Zeit zum Selbsteinbau? Kontaktieren Sie Expertinnen und Experten und profitieren Sie von deren Fachkenntnissen.

Kauf eines Ladeboosters: Achten Sie auf Folgendes

⦁  Berücksichtigen Sie die Batterieart Ihres Bordakkus


Moderne Ladebooster arbeiten mit Bleisäure-, Gel- und AGM- sowie Lithium-Akkus. Bei VRLA-Batterien muss eine Überladung verhindert werden. Achten Sie bei allen Batterietypen auf die Vorgaben des Batterieherstellers in Bezug auf Ladeschluss- und Erhaltungsladespannung. Bei der Umrüstung auf Lithiumbatterien ist der Einbau eines B2B-Ladeboosters zwingend erforderlich. Dies ist unabhängig davon, ob Ihr Fahrzeug EURO6 oder älteren Typs ist. Der Ladebooster erfüllt in Verbindung mit Lithiumbatterien nicht nur den Zweck der vollständigen Aufladung der Verbraucherbatterie, sondern dient auch als Ladestrombegrenzung, zum Schutz der bestehenden Verkabelung sowie der Lichtmaschine vor Überlastung.


⦁  Good to know


Manche vermuten, dass das Fahrzeug durch einen Ladebooster seine Euro-6-Zulassung verliert. Die Abschaltung der Lichtmaschine hängt allerdings nur indirekt mit der Abgasnorm zusammen. Durch die Norm wird der Flottenverbrauch eines Fahrzeugherstellers ermittelt. Gibt es also Verbrauchsminderungspotenziale, werden diese genutzt.


Verwenden Sie kurze und dicke Kabel


Der Widerstand im Kabel mindert die Ladespannung. Je länger und dünner also das Kabel, desto größer die Spannungsverluste. Bei einem Ladestrom von rund 10 Ampere verursacht eine Zuleitung mit einer Länge von 5 Metern und einem Kupferkern von 2,5mm² Querschnitt bereits einen Spannungsfall von 14,2 auf 13,4 Volt.

Unser Tipp


Wählen Sie einen Ladebooster optional, wenn …

Sie in der Regel mit Ihrem Camper, Wohnmobil oder Bus lange auf einem Platz stehen und dann nur kurze Strecken fahren, sich sonst mit Solarstrom versorgen und alternativ Landstrom nutzen, wenn die Sonne nicht scheint.


Entscheiden Sie sich auf jeden Fall für einen Ladebooster, wenn …

Sie viel im Winter fahren, gern und häufig den Stellplatz wechseln sowie keine oder kaum Solarzellen auf dem Dach Ihres Wohnmobils oder Vans haben. Sie stehen gern für ein paar Tage frei, ohne Stromversorgung und möchten die Batterie auf der Fahrt so schnell wie möglich nachladen? Bauen Sie auch in diesem Fall einen Ladebooster ein.

Ladebooster heben die Ladespannung passend zum jeweiligen Batterietyp an und sorgen für einen konstant kräftigen Ladestrom. Der Ladewandler belastet die Starterbatterie, wodurch das Motormanagement die Lichtmaschine in Betrieb lässt, bis die Versorgungsbatterien aufgeladen sind. Sie haben noch Fragen? Kontaktieren Sie Expertinnen und Experten und lassen Sie sich beraten!



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